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Maria
Teilnehmer

Liebe Nora,

was für eine Synchronizität! Ich habe in den letzten Tagen immer wieder darüber nachgdacht, wie ihr wohl die Göttin / das Göttliche seht und wollte einen Diskussionskreis dazu vorschlagen.

Wie passend, dass du jetzt diesen Thread geöffnet hast. Ich weiß nicht, ob ich mein Empfinden des Göttlichen schriftlich umfassend ausdrücken kann, aber es ist sicher mal ein Anfang.

Mir ist aufgefallen, dass wir im Kreis hin und wieder von “der Göttin” sprechen. Da habe ich mich gefragt, was jede von uns damit meint.

Ich selbst bin Polytheistin. Für mich gibt es “die Göttin” so gar nicht. Ich merke aber, dass ich manchmal von der Göttin oder auch von der dunklen Göttin spreche um zu vereinfachen. Das ist dann für mich eher ein Prinzip, das alle Erscheinungsformen des weiblichen Göttlichen umfasst.

Spirituell arbeite ich aber nie mit “der Göttin” im Allgemeinen, sondern mit bestimmten Göttinnen (und auch Göttern), die einen Namen tragen und sich in einem spezifischen historischen und kultuellen Kontext verorten lassen. Das sind in meinem Fall z. B. Brigid, Mokosh oder Baba Yaga.

In meiner Auffassung fließen sie nicht alle in einer Göttin zusammen, sie sind Individuen. Sie können für mich aber unter dem Begriff der Göttin als Prinzip zusammengefasst werden. So, wie man von den Menschen als “der Mensch” sprechen kann und trotzdem sind wir alle Einzelpersonen mit unserer eigenen Geschichte.

Anders als bei Menschen aber glaube ich, dass Göttinnen sich verwandeln, ineinander übergehen und sich überlagern können. Zum Beispiel, wenn sie in verschiedenen Kulturen in Erscheinung treten. So zum Beispiel im griechischen und römischen Pantheon, wo Hera zu Iuno wird usw. Ich glaube nicht, dass diese Göttinen identisch sind und sich nur durch ihre Namen unterscheiden. Hera und Iuno sind verschiedene Göttinnen, aber sie haben eine Verwandtschaft, eine gemeinsame Abstammung.

Noch komplexer wird das für mich bei synkretischen Göttinnen, wie der Schwarzen Madonna. (Und, ja: Für mich ist sie eine Göttin.) Sie wurde an die Stelle von verschiedenen dunklen Göttinnen, Mutter- und Erdgöttinnen gesetzt. Manchmal finden sich ihre Schreine und Kirchen sogar direkt auf ehemaligen Tempelorten von Kybele, Astarte, Ischtar, Demeter und vielen anderen. So, wie ich es verstehe, hat sie eine Leerstelle im Christentum bestetzt. Wo es plötzlich nur noch einen männlichen Gott geben sollte, hat sie den Raum gehalten für das Bedürfnis der Menschen, zum weiblichen Göttlichen zu beten. Besonders stark empfinde ich Isis als ihr Vorbild. So wie Isis mit ihrem Sohn Horus auf dem Schoß sitzt, sehen wir später die Schwarze Madonna mit dem Jesuskind.

Wenn ich der Schwarzen Madonna begegne, spüre ich das Erbe der vorchristlichen Göttinnen. Sie scheinen durch sie hindurch. Ich nehme sie aber auch als eigene Erscheinung mit einer eigenen Energie war, sie ist nicht nur ein Abklatsch er alten Göttinnen. Besonders deutlich wird das dort, wo der Synkretismus bewusst gelebt wird und sich zur einer eigenen Religion entwickelt, wie im Fall der Regla de Ocha oder Santería in Kuba. Hier sind verschiedene Yoruba-Gottheiten mit katholischen Heiligen und Jungfragen verschmolzen. Sie sind nun weder die ursprünglichen Yoruba-Gottheiten, noch die Heiligen, sondern etwas ganz Neues. Yemayá, die Göttin des Meeres, hat in Kuba die Gestalt einer Schwarzen Jungfrau. Das lässt sich nicht mehr voneinander trennen.

Zusammengefasst lässt sich vielleicht sagen, dass “die Göttin” für mich am ehesten mit einem Archetyp zu vergleichen ist. Die verschiedenen Göttinnen mit ihren Namen sind für mich Individuen, lebendige Wesen mit einer eigenen Geschichte.

Eine andere Frage, die mich beschäftigt, ist, wie die Göttinnen und Götter entstanden sind. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden…

  • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Wochen, 1 Tag von Maria.

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