Jahreskreisfeste verstehen, fühlen und erleben

Wenn wir uns mit der jahreszeitlichen Natur und dem Jahreslauf der Natur zu verbinden, gibt uns Halt in der entfremdeten modernen Welt. Es holt uns aus dem Großstadt-Kopf-Alltag heraus zurück zu Mutter Natur zu uns als Menschen als Lebewesen, die wir nicht nur aus Kopf und Todolisten bestehen. Es ist ein gutes Gefühl, einen Anlass zum Innehalten und Zelebrieren zu haben, gerade wegen dem Trubel im Leben und der Welt. Innezuhalten und die Zeitqualität zu erleben und zu feiern. Es trägt uns durchs Jahr und kann uns Trost und Geborgenheit vermitteln, wenn wir den ewigen Wandel bezeugen. Es erdet uns, holt uns zurück ins Hier und Jetzt.

Der Jahreskreis ist mehr als nur Jahreszeiten-Unternehmungen: Spirituelle Rückbindung, Verankerung, Bereicherung

Jahreskreisfeste bieten einen Rahmen, eine Art Feiertagskalender für das Jahr.

Die neuheidnischen naturspirituellen Jahreskreisfeste beziehen sich auf den Ablauf der Jahreszeiten in Nord- und Mitteleuropa. Der Jahreskreis basiert hauptsächlich auf Interpretationen der keltischen Feste. Wir finden im lokalen Brauchtum überall in Nord- und Mitteleuropa eigene Ausformungen dieser bzw. ähnlicher Feste entlang des Laufs der Sonne und der dazwischenliegenden Festen (Walpurgisnacht, Schnitterinnenfest , Halloween und Imbolc (Lichtmess) sind keine Sonnenfeste). Die Namen die heute verwendet werden sind in der Regel die modernen Namen mit keltischem Bezug – aber wie man an „Walpurgisnacht“ merkt, gibt es eben auch regional eigene Ausprägungen.

Die Jahreskreisfeste sind Bestandteil fast aller neuheidnischen und hexischen Traditionen, weil es dort eben auf die Rückbesinnung auf vor-christliche Kulte geht bzw. ein modern-interpretiertes Weitertragen dieses alten Wissens und Brauchtums. Auch für spirituelle Gruppen, die sich mit Selbstentfaltung, Weiblichkeit leben, Frauenwissen beschäftigen, feiern diese Jahreskreisfeste, weil sie so tief im europäischen Brauchtum und Erleben verankert sind und ganz nah an den natürlichen Rhythmen sind und uns rückverbinden können.

Diese Herangehensweisen machen für dich den Jahreskreis erlebbar:

  1. Die Natur
  2. Hintergrundwissen
  3. Brauchtum
  4. Dein eigener Bezug dazu

1. Die Natur und die Zeitqualität

Um den Jahreskreis näher zu verstehen, mehr ein Gefühl für zu entwickeln, ist Naturkontakt essentiell. Um das jeweils anstehende Jahreskreisfest zu verstehen, sich einzufühlen und es dann zu zelebrieren ist die Natur unsere Ratgeberin und Ideengeberin. Die Natur erschafft den Rahmen und Ton des Festes, das wir dann als ewigen Kreislauf und in Zusammenhang mit unserer Tradition und unserem Sein interpretieren.

Und hier ist der Schlüssel: Achtsamkeit.

Nimm dir Zeit und gehe in die Natur.
Oder wenn dir keine „echte“ Natur zugänglich ist (mangelnde Mobilität, Wohnort, Zeit, etc.) dann nimm den Ort, den du erreichen kannst und der vielleicht nicht zu 100% zugebaut ist. Das kann sein: ein Park, ein Friedhof, eine Brache, ein relativ grünes Viertel. Ich bin selbst eine Großstadtbewohnerin – ich bevorzuge – wenn ich nicht rauskomme  aus der Stadt – Brachen, Bachläufe, vergessene Stückchen Land und Friedhöfe. Hier in Berlin sind Parks soziale Orte mit etwas grün – für ein Naturfühlen wenig geeignet. Aber Kleingartenanlagen und Botanische Gärten können einen Zugang zur Naturbeobachtung bieten.

Geh also in den Teil der Natur, der für dich zugänglich ist. Und öffne deine Sinne. Mache einen Achtsamkeitsspaziergang oder setze dich auf eine Bank oder auf eine Wiese und beobachte die Natur um dich herum. Nimm mit allen Sinnen wahr und versuche die kindliche Neugier in dir zu finden (auch wenn du den Ort schon gut kennst). Wie fühlt sich die Luft an, wonach riecht es. Was summt und brummt durch die Luft, krabbelt am Boden, blüht und wächst, welche Vögel hörst und siehst du. Für eine Achtsamkeitsübung ist es eher hilfreich es nur zu beobachten und nicht zu bestimmen und zu kategorisieren aber natürlich kannst du auch beobachten, sammeln und bestimmen, um mehr über die Flora und Fauna zu erfahren.

Wichtig ist aber hier bei das Fühlen. Es geht nicht darum, einen Spaziergang zu machen. Oder etwas bestimmtes zu entdecken oder abzuarbeiten. Es geht um ein offenes ruhiges aufnahmebereites Selbst, das dort sitzend, die Sinne aktiviert. Waldbaden –  mit und ohne Wald. Ganz im Jetzt sein.

2. Hintergrundwissen

Eigentlich ist „Hintergrund“-Wissen gar nicht der treffende Ausdruck. Moderne interpretationsweisen – trifft es eher. Um etwas konkretes und gemeinsames zum Feiern zu haben, ist es hilfreich, den Kopf zu beteiligen. Einen intellektuellen Rahmen zu haben für diese neuen Feste. Hier hilft Google ebenso wie jede Socialmediaplattform. Allerdings fällt dort schnell auf, dass es Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei den Festen gibt. Gerade die Unterschiedlichen Vorschläge und Interpretationen können sehr verunsichern. Tatsächlich sind es aber ja nur unterschiedliche Interpretationen oder Schwerpunktsetzungen zu einem Überthema. Ein wenig so, wie wenn man eine Gruppe Menschen auffordert, zum Thema Sommer zu erzählen – dort sind gemeinsame und abweichende Elemente. Es gibt so gesehen kein richtig und falsch. Es geht nicht darum, hier ein historisches Fest nachzuempfinden – dazu haben wir sowieso viel zu wenig Informationen. Es geht darum den Wandel der Jahreszeiten mit unserem eigenen Leben in Verbindung zu bringen. Und anders als z.B. nur jedes Jahr auf die Brandenburger Landpartie zu fahren oder zur Herbstkirmes des Ortes zu gehen, in den Jahreskreisfesten einen spirituelle Rückverbindung, Erkenntnismöglichkeit und Entwicklungsmöglichkeit zu finden. Dafür geben die Artikel, die das jeweilige Fest erklären, einen Ansatzpunkt.

Es gibt keinen vorgegebenen Kanon, keine Bibel, keine vorgegebene Interpretation für weibliche Spiritualität, Naturspiritualität, Erdbasierte Spiritualität, Neuheidentum, Hexentum und all die anderen Pfade. Es gibt auch keine direkte ungebrochene Weitergabe von Wissen – aber etwas, das sich zumindest so anfühlt oder wenigstens manche Weisheiten bewahrt hat. Das heißt auch, dass es nur Vorschläge und Interpretationen zu einem Fest geben kann und kein richtig oder falsch. Und wenn Vielfalt an dieser Stelle verwirrend ist – was es zu Beginn einer Reise oft ist – dann verringere einfach die Anzahl der Informationen. Du musst keine 10 oder mehr Artikel zu einem Fest lesen, 1 oder 2 (vielleicht sogar von Menschen, deren Standpunkt du sonst auch magst) reichen auch.

3. Brauchtum

Vielleicht fällt dir selbst noch Brauchtum ein von dem du gehört hast, oder das du noch miterlebt hast. Es gibt regionales und überregionales Brauchtum für das ganze Jahr und speziell um die Jahreskreisfeste herum. Zum Beispiel: Maibaumbräuche, Rauhnachtsbrauchtum, Kräuterweih-Bräuche.

Ich empfinde Brauchtum als bereichernd und rückverbindend und gleichermaßen herausfordernd und bin relativ ohne Brauchtum großgeworden in einer Region in der es noch viel gelebtes Brauchtum gibt. Dieses Rückerobern des Brauchtums, übersetzen in etwas, das für mich Sinn macht und der Schnittpunkt zwischen Tradition und Moderne ist, ist für mich bereichernd. Und historische Betrachtungen spannend. Das trifft aber nun ja wirklich nicht auf alle Menschen zu.

4. Dein eigener Bezug

Worauf fokussierst du dich, wie verstehst du dieses Jahr dieses Fest – was bedeutet es dieses Jahr für dich, welche Themen beinhaltet es. Das ist die Mischung aus dem obigen: für welchen Ansatz hast du dich entschieden, sowohl praktisch im Erleben als auch im Verständnis. Wie sieht dein eigenes Fest aus. Und wie passt es gerade zu deinem Leben. Welche Aspekte sind dir dieses Jahr besonders wichtig? Zum Beispiel bei der Sommersonnwende – geht es dieses Jahr eher um die Leichtigkeit nach einem schweren Winter oder um Partnerschaft und Elternschaft? Jedes Jahreskreisfest bietet eine Reihe an Themen, die man damit assoziieren kann -welche die traditionell im Brauchtum vorkommen, die die Natur vorgibt, die die verschiedenen gelebten Interpretationen des Festes vorschlagen. Und welches lockt dich davon, erzeugt eine Resonanz? Die Jahreskreisfeste sind dafür da, dass wir uns in unserem Erleben in der Natur wiederfinden, rückverbinden, bestärken – Analogien finden, Kraft finden, Perspektive. Deswegen sieht natürlich ein Freudenfest anders aus, wenn du gerade in Trauer bist. Was ist in dir, was in Resonanz geht? Was sind deine Themen. Was möchtest du loslassen, was möchtest du bestärken, was reflektieren, was integrieren, transformieren. Das ist die Stärke des Festes. Das muss auch nicht jedes Jahr elaboriert und ausführlich sein. Aber ein Jahreskreisfest sollte zu fühlen sein – etwas emotional oder psychisch in mir anrühren. Mich inspirieren. Diesen Part kann ich durch Nachsinnen, Journalling und bei dem Erstellen und Ausführen eines Rituals erleben.

Dazu dann im nächsten Blogpost mehr.

Wußtest du, dass wir im Schwesternkreis die Jahreskreisfeste feiern? Zwar ist die allerschönste Art für Jahreskreisfeste draußen und mit Feuer, aber die zweitschönste Art ist mit großartigen Schwestern aus dem ganzen deutschsprachigen Raum virtuell ein individuelles Jahreskreisritual zu feiern.

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